Orgelpop fast ohne Leichtigkeit

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kultursommer Mittelhessen

Ein ungewöhnliches Musikerlebnis erwartete die Besucher eines Konzerts in der evangelischen Kirche Fraurombach. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kultursommer Mittelhessen versprachen der Wetterauer Organist Christoph Brückner und der Lauterbacher Gitarrist Martin G. Günkel "Saiten- und Tastensprünge".

Von BERND GÖTTE

Das ungewöhnliche Zusammentreffen von Orgel und Gitarre hatte der Förderverein Fraurombacher Wandmalereien organisiert, der für seinen Einsatz für die mittelalterlichen Heraklius-Fresken bekannt ist. Ihm kam auch der Konzerterlös zugute. "Unsere Kirche hat aber auch noch einen anderen Schatz, die Orgel aus dem 18. Jahrhundert, die vom bekannten Orgelbaumeisters Oestreich stammt", erklärte die Vorsitzende des Fördervereins Brigitte Lips in ihren Begrüßungsworten. Dieses Instrument ist sicher ein Traum für jeden Organisten, und Christoph Brückner bespielte es mit Wucht und Begeisterung. Nun wird Brückner bisweilen als "Pop-Organist" tituliert. Wer aber unter Popmusik Leichtigkeit, Eingängigkeit und auch eine gewisse Oberflächlichkeit versteht, der sah sich nach Brückners "Orgelpop" eines Anderen belehrt. Zwar setzte er wie bei der Interpretation von Pachebels Kanon in D-Dur – "A Whiter Shade of Pale" ließ grüßen – und einigen Gospel- und Swingeinlagen durchaus charmant lässige Akzente, aber kaum einmal widerstand er der Versuchung, seine Darbietungen ganz nach alter Organistenart mit einem monumentalen Schlussakkord zu "krönen". Irgendwie unsanft wurden die Zuhörer so stets daran erinnert, dass man einem ehrwürdigen Kircheninstrument lauschte, das nur in Grenzen Spaß zu verstehen schien. Dabei lautet das Motto des Kultursommers "Echt frech". Brückner behandelte die über 200-jährige Orgel und auch den Kirchenraum aber mit Respekt. Etwas subversiv blitzte es allerdings, als er das fromme "Wer nur den lieben Gott lässt walten" mit dem sündigen, aber auch reuigen "House of the Rising Sun" melodisch verknüpfte. Das ursprünglich jüdische "Wir wünschen Frieden für alle" trug Brückner mit Chuzpe und viel Tempo vor. So gaben sich Geistliches und Weltliches in der Fraurombacher Kirche die Hand. Diese Verbindung wurde umso deutlicher, als Martin Günkel mit der Gitarre die eigentlichen Überraschungen des Abends bereit hielt. Geschmeidig und kantig zugleich umrahmte er die Orgelpartien und zeigte mit einer Reihe von Soli, dass er auch ein hervorragender Komponist ist, der sein Repertoire weitgehend aus eigenen Stücken bestreitet. Durch den Wechsel der Gitarre und dank Verstärkertechnik erzielte er in manchen Stücken eine verblüffende Rockbandwirkung. Überhaupt konnte man bei dem Auftritt der beiden Einiges lernen, erläuterten Brückner und Günkel ihre Stücke und Instrumente und gewährten so interessante Einblicke. Und trotz einiger Schwere gelang es ihnen, die meisten Zuhörer zu packen. Bei ihrer Zugabe "Halleluja" von Leonhard Cohen glaubte man die Gänsehaut durch die Bankreihen wandern zu spüren. Die Zuhörer verabschiedeten mit stehenden Ovationen die beiden Musiker.



Die Konzertpause wurde auf dem Vorplatz der Fraurombacher Kirche für einen kleinen Smalltalk der erschienen Gäste genutzt. Fotos: sigi




Brigitte Lips, 1. Vorsitzende des Fördervereins Fraurombacher Wandmalerei, während der Begrüßung der Konzertgäste in der wunderschön dekorierten Romicher Kirche



Gitarrist Martin G. Günkel und der Wetterauer Organist Christoph Brückner mit dem Konzert "Saiten- und Tastensprünge".


Veröffentlicht im Schlitzer Boten am 10.07.2014

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