Fraurombacher Orgel unterzog sich einem viermonatigen "Kuraufenthalt"

FRAUROMBACH
Sie klingt wieder, sie jubiliert wieder, sie erfüllt die Kirche von Fraurombach wieder mit hellem, kräftigem und reinem Klang – die restaurierte Oestreich-Orgel. In dem viermonatigen Zeitraum, in dem die Orgel ausgebaut war, wurden die Gottesdienste vom Organisten Joachim Weitzdörfer mit seinem Konzert-Akkorden begleitet.

Von unserer Mitarbeiterin Sigi Stock

Dies waren immer ganz besondere Erfahrungen. Nicht nur er als Pfarrer, so Seng, würde sich freuen, wenn das Akkordeon immer wieder einmal den Weg in die Kirche finden würde.

Der freudige Anlass der Wiederinbetriebnahme der in 1799 gebauten Oestreich-Orgel wurde am vergangenen Sonntag mit einem Festgottesdienst begangen. Der Einladung zu diesem besonderen Gottesdienst waren neben den Gemeindemitgliedern auch Probst Pfarrer Matthias Schmidt, Dekan Pfarrer Stefan Klaffehn, Dekanatskirchenmusikerin Diana Rieger, Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer mit Lebensgefährtin Gudrun Schulz, der Erste Stadtrat Norbert Schäfer mit Gattin, Stadtverordnetenvorsteher Walter Ritz, Mitglieder des Fraurombacher Ortsbeirates mit Ortsvorsteher Alexander Altstadt an der Spitze, sowie auch die Vorsitzende des Fördervereins Fraurombacher Wandmalereien, Brigitte Lips, gefolgt. Unter den weiteren Gästen der Orgelsachverständige der Ev. Kirche von Hessen und Nassau, Thomas Wilhelm, Orgelbaumeister Andreas Schmidt, Vertreter ausführender Firmen sowie als Vertreter der Sparkasse Oberhessen Hartmut Schmier.

Bereits zu Beginn des Gottesdienstes hatte Kirchenvorsteherin Michaela Göbel die ehrenvolle Aufgabe, die Begrüßung zu übernehmen. Alle seien stolz und sehr dankbar, dass nun die Orgel wieder zum Lobe Gottes erklinge. Hier passt das Zitat von Victor Hugo, dem berühmten Französischen Schriftsteller, bestens hinein: "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist."

Während des Gottesdienstes erklang die erfolgreich restaurierte Oestreich-Orgel wieder in vollem Klang. Die Organisten, zum Einen Britta Seng beim Orgelvorspiel Organo festivo, dem Präludium F-Dur und Larghetto d-Moll, zum Anderen Joachim Weitzdörfer mit der Sonata in a-moll oder in Begleitung von Britta Seng und ihrer Querflöte "Bourree" aus Leopold Mozarts Notenbuch, Menuett "Notenbüchlein Anna Magdalena Bach". Alles, aber auch wirklich alles, verlangte Thomas Wilhelm in seinem Stück "Ciaccone B-dur" (Johann Sebastian Bach) der Orgel ab. Es war ein regelrechter musikalischer Höhenflug aller eingesetzten Register. Man spürte die Lust am Spielen, die völlige Hingabe. Die Königin der Instrumente zeigte was sie kann, dass sie zu Recht so genannt wird.

Zu diesem besonderen Anlass hielt Probst Matthias Schmidt die Predigt. "Weise mir Herr deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit" (Martin Luther). Jeder Mensch, so Schmidt, habe einen Lebensweg, auf dem er während seines Erdendaseins unterwegs ist. Auch in der Bibel könne man das Wandeln Gottesfürchtiger Menschen wie Abraham, Moses, Jesus selbst oder auch Paulus nachlesen. Dieses Wandeln sei nach wie vor immer eine Herausforderung gewesen und ist es auch noch heute. Auch im Schlitzerland wurde gewandelt, auf guten wie auf unschönen Wegen. Auch die Orgel dieser Kirche hatte ihren Weg. Inklusive der Steine des Gotteshauses können sie Geschichten von den Menschen erzählen, die hier in den vergangenen Jahrhunderten in ihr gelacht geweint, getrauert, gefeiert haben. Generationen haben hier ihr Herz vor Gott ausgeschüttet. Auch die Orgel erzähle mit ihren Liedern Geschichten von Menschen. Sie gingen gemeinsam mit uns Menschen den Weg. Sie haben beide ihre Hoffnungen getragen und das macht beide so kostbar. "Wir müssen nur zuhören – mit unseren Ohren, mit unseren Herzen!" Kirche wie auch die Orgel legen Zeugnis des Wandels über die gesamte Zeit ab. Orte, Städte, die Menschen, eigentlich die gesamte Welt durchläuft ihren Wandel. Treue und Verlässlichkeit Gottes aber bleiben.

Daran kann sich der Mensch festhalten, trotz aller Wandlungen. "Ich wünsche der Orgel Menschen, die ihr zuhören, offene Ohren, Menschen, die mit dem Herzen hören – wenn die Orgel von der Treue Gottes erzählt!"

Direkt nach dem Gottesdienst bestand für die Gäste die Gelegenheit, ihre Grußworte zu sprechen. Zuvor gingen Orgelbaumeister Andreas Schmidt und auch Pfarrer Jürgen Seng (ergänzend) auf die Orgelrestaurierung ein.

Die Sanierung der Orgel, so Seng, war ein langgehegter Wunsch der Kirchengemeinde. Es kam immer wieder mal und mit zunehmender Dauer immer öfters vor, dass die Orgel vor oder während eines Gottesdienstes nicht nutzbar war. Besonders in der Heizperiode war es immer ein Lotteriespiel, ob die Orgel spielt oder nicht.

Nach dem Gutachten konnten Angebote eingeholt werden und Zug für Zug die Arbeiten voran zu treiben. Heute seien alle dankbar, dass die Arbeiten abgeschlossen sind und zu einem solch überzeugenden Ergebnis geführt haben. Trotzdem wären noch so manche Arbeiten wünschenswert: vielleicht eine adäquate Beleuchtung für die Orgel, die Verkleidung des Balghauses halte er persönlich für dringend notwendig, ebenso fände er es gut, wenn der Blasebalg vom Strom unabhängig würde und wieder an eine Tretanlage angeschlossen würde. Auch die Auffrischung der Farbe wäre ein Gewinn für die Optik. Man werde alles im Kopf behalten, beraten und ggf. zeitnah umsetzen. Die Kosten der Orgelsanierung, Seng weiter, beliefen sich auf 40.109,93 Euro. Unterstützung erhielt die Gemeinde von der Ev. Kirche in Hessen und Nassau, dem Hess. Landesamt für Denkmalspflege, der Sparkassenkulturstiftung Hessen- Thüringen, sowie aus Mitteln des Dekanatssonderfonds. Nach Abzug aller Zuschüsse musste die Gemeinde durch Eigenmittel 28.809,93 Euro aufbringen. Bei einer durchgeführten Sammlung gab es aus Fraurombach Spenden in Höhe von 2500 Euro und 250 Euro von Spendern aus Schlitz und Hartershausen. Allen gebühre ein herzliches Dankeschön.

Als weiterer Redner folgte Dekan Stefan Klaffehn. "Die Restaurierung möge noch lange ihre Früchte tragen!", Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer ging in seinen Ausführungen auf die Geschichte der "Königin aller Instrumente" ein, Dekanatskirchenmusikerin Diana Rieger "Möge die Musik ein Beitrag zur Kirchenfüllung sein". Ortsvorsteher Alexander Altstadt: Zu einer besonderen Kirche, berühmte Wandmalereien, gehöre natürlich auch eine besondere Orgel. Die Bürger und Bürgerinnen von Fraurombach seien stolz darauf, eine Oestreich-Orgel ihr Eigen zu nennen und freuen sich, diese nach der erfolgreichen Restaurierung endlich wieder spielen hören zu können. Vieles in der Seele, so Altstadt, lasse sich in all den Facetten und Nuancen nur durch Musik spiegeln. Deshalb freue es ihn umso mehr, dass sich so viele Gemeindemitglieder an der Spendenaktion für die Orgel beteiligt haben. An den vielen kleinen und großen Spenden sehe man, wie wichtig jedem Einzelnen das schöne Fraurombacher Gotteshaus sei.

Sehr treffende Worte fand die Vorsitzende des Fördervereins Fraurombacher Wandmalereien, Brigitte Lips: "Wenn ich mir ein Kirchengebäude wie einen Menschen vorstelle, nehme ich vor allem drei Dinge wahr: einen Körper, ein Gesicht und eine Stimme. Der Körper, das ist das Gebäude selbst, das hier in Fraurombach aus Elementen aus ganz verschiedenen Epochen besteht und in dem jede Wand und jeder Stein einen Bezug zu den Menschen im Dorf und zu ihrer Geschichte hat. Das Gesicht ist in der Fraurombacher Kirche vor allem durch die Wandmalereien geprägt, die dieser Kirche ihre besondere Ausstrahlung geben und die christliche Botschaft bildhaft erkennen lassen. Die Stimme der Kirche, das ist die Orgel. In unseren Breiten ist eine Kirche ohne Orgel beinahe undenkbar. Eine Kirche ohne Orgel erscheint uns merkwürdig stumm.

Wir sind es gewohnt, dass Orgelklänge einen Gottesdienst einleiten, dass sie uns auf die verschiedenen liturgischen Elemente einstimmen, dass uns die Orgel einlädt, den Alltag hinter uns zu lassen und zu Ruhe und Einkehr finden. Sie gibt dem Gottesdienst eine feierliche Atmosphäre und nicht zuletzt hilft sie uns auch, bei den etwas schwierigeren Liedern einigermaßen den Ton zu treffen.

Die Fraurombacher Orgel konnte diesen Aufgaben in der letzten Zeit nicht mehr gerecht werden. Die Stimme der Kirche war brüchig und heiser geworden, es war offensichtlich, dass mit der Orgel im wahrsten Sinne des Wortes etwas "nicht stimmte". Ein Mensch mit Stimmproblemen geht zum HNO-Arzt oder zum Logopäden. Und auch für die Stimme der Kirche gibt es zum Glück Fachleute, die sich um ihre Heilung kümmern können. Zum Problem können dabei jedoch die Behandlungskosten werden, denn es gibt keine Krankenkasse, die der Kirchengemeinde helfen könnte, diese zu begleichen. Aber zum Glück für die Fraurombacher Orgel haben sich hier zahlreiche Spender gefunden, die der Kirchengemeinde bei dieser Aufgabe unter die Arme greifen und auch der Förderverein möchte einen Beitrag leisten, um den "Kuraufenthalt" der Fraurombacher Orgel zu finanzieren. Denn für uns alle ist es doch schön zu hören, dass jetzt wieder alles "stimmt" und das die Organisten "alle Register ziehen" können, damit in der Fraurombacher Kirche die feierliche Stimmung entsteht, die man am heutigen Tag erleben durfte!"

Den Schlusspunkt unter den Reigen der Gratulanten setzte Hartmut Schmier. Als Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen sei er stolz, so Schmier, dass die Sparkassen-Kulturstiftung ihren Teil zur Restaurierung der Orgel beigetragen habe. Das zeige, dass nicht nur in den Metropolen kulturelle Projekte gefördert werden, sondern auch hier in unserem ländlichen Raum.

Er denke, dass auch der Erbauer der Orgel, Johann Markus Oestreich sich freuen würde, wenn er wüsste, dass seine 1799 gebaute Orgel heute wieder erklingt. "Sie ist ein wahrer Schatz", wie Prof. Dr. Gerd Weiß (Präsident des Landesamtes für Denkmalspflege Hessen) so treffend sagte: "ein Klangdenkmal".

Fast die gesamte Schar der Gottesdienstbesucher blieb im Anschluss daran zum traditionellen Neujahrsempfang in der Kirche.

Bei Kaffee, Tee, selbst gebackenen Kuchen und belegten Broten blieb viel Zeit, noch die eine oder andere Begebenheit unters Volk zu bringen.

Veröffentlicht im Schlitzer Boten am 30.01.2014

zurück